Faktencheck
ZUKUNFTSOPTIMISMUS – ODER ALLES NUR ILLUSION?

ZUKUNFTSOPTIMISMUS – ODER ALLES NUR ILLUSION?

Der Druck, aber noch viel mehr der Wunsch der Unternehmen, trotz Corona erfolgreich das neue Jahr 2021 zu starten, versetzt vermutlich viele zum Jahresende in einen zwangsoptimistischen Aktionismus.

Der Zukunftsoptimismus, eine so ausgerichtete Strategie mag durchaus Sinn machen, motivieren, Sicherheit geben, aber vielleicht genau deshalb an der Realität, und damit auch an der Zukunft vorbei zielen. Warum, weil ich beobachte, dass wir in Zukunft weit mehr aufpassen müssen, uns nicht von Wunschbildern und Vereinfachungen täuschen zu lassen.

Wunschbilder und einfachen Lösungen machen uns unflexibel, uneinsichtig, sogar träge. Und genau damit verbauen wir uns die Zukunft – einerseits, weil wir als Unternehmen das komplexe wirtschaftliche Beziehungsgefüge unterschätzen, die dadurch notwendig zu setzenden Veränderungen übersehen, und andererseits, weil wir die im Untergrund schmorenden Krisen, Klimakrise, EU-Krise, Flüchtlingskrise noch immer klein reden, es verabsäumen uns zeitgerecht darauf vorzubereiten.

 

RESÜMEE MIT VORAUSBLICK

Die Forschung untermauert sehr eindeutig, dass wir allzu gerne Illusionen, Wunschbildern erliegen. Der heikle Punkt ist jedoch weniger das Wunschbild selbst, die dadurch verzerrte Realität, sondern der Glaube daran, dass Wunschbilder gleichzusetzen sind mit Wahrheit. Und keines der Wunschbilder ist fähig, in komplexen Strukturen zu denken.

Egon Zeimers, Systemdenker, sieht die größte Herausforderung unserer Zeit dahingehend, sich endlich wirklich richtig der Komplexität zu stellen – was wir aber nicht tun, weil das Angst macht. Und genau damit schließt sich der Kreis, wir feiern weiterhin Lösungen, die bei genauer Betrachtung keine adäquaten Lösungen sind. 

Thomas Wilhelm, Didaktikprofessor, setzt an dieser Stelle der Aufklärung auf eine Aufbau- statt auf eine Konfliktstrategie:

Wilhelm versucht richtige bzw. andere Vorstellungen zu vermitteln, ohne die Falschen bzw. Eingeschränkten zu aktivieren, und damit eventuell sogar noch zu verstärken, um sich nicht die Blöße von Angst, Stress oder fehlender Reflexion geben zu müssen.

Ich persönlich positioniere diese Strategie mit der Methode der Idiolektischen Gesprächsführung.

Wilhelm wie auch mir geht es darum, Illusionen, Täuschungen nicht zu verurteilen, sondern die Bedeutung dieser klar herauszustreichen, dass man beispielsweise mit eingeschränkten, fixierten Meinungen im Alltag relativ weit kommen kann, aber ebenso aufzeigt, dass man genau damit an Grenzen stößt.

Deshalb ist mir ein offener, respektvoller Diskurs so wichtig. Im Diskurs können verzerrte Realitäten, Elfenbeintürme, Perspektiveneinschränkungen, verdrängte Ängste, negierter Stress vertrauensvoll identifiziert werden, in eine gesunde Balance zur Realität gebracht werden.

So versuche ich die leider viel zu wenig beachtete Resilienz neu ins Bewusstsein zu holen, um die nächsten Herausforderungen statt mit Stress, negierter Angst und Realitätsverzerrung, mit mehr Weitblick und einer stabilen emotionalen Kraft durchzugehen.

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